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Pfarramt

Pastor Michael Henheik
Markt 21
37539 Bad Grund
Tel. 05327 / 8388-0
kg.badgrund@evlka.de

Die Bad Grundner Erntekrone ist nach alter Tradition schlicht, die Wildemanner hingegen durch eingeflochtene Feidblumen farbenfroh gehalten. Und doch ist jede in ihrer Art ausdrucksvoll und hat uns etwas Wichtiges zu sagen. Dabei ist schon die Herstellung einer Erntekrone eine Verkündigung für sich: Die Ähren müssen sichtbar nach außen bzw. nach oben gebunden sein, so wie sie auf dem Feld der Schöpfer hat wachsen lassen.
 
Der als Grundlage dienende Kranz wird beim Flechten einer Erntekrone immer von Westen nach Osten gebunden, so wie man beim Kirchgang durch den Westeingang in das Gotteshaus eintritt, den nach Osten ausgerichteten Altar im Blick. Diese Art des Ährenbindens möchte ein Hinweis sein zur Einsicht: Denke daran: „Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt, und hofft auf ihn!”

Auch die Farben der Zier-Bänder der Erntekrone haben eine bestimmte Symbolik: Grün steht für die Blätter, die Landwirtschaft und die Natur überhaupt, Blau für die Kornblumen, den Himmel und das Wasser, Rot für den Klatschmohn und die reifen Früchte, Gelb für die Sonne, die Butterblumen und das reife Getreide, Weiß für die Margeriten und Braun bzw. Ocker für den Acker und das Brot. Sind Bänder in die Mitte eingeflochten wie bei der Wildemanner Erntekrone, so sollen diese an den Klöppel einer Kirchenglocke erinnern, die zu Gottesdienst und Gebet ruft. – Die vier senkrechten Stränge der Erntekrone verweisen auf die vier Hauptarten des Getreides, die auch die Bestandteile der Erntekrone ausmachen: Gerste, Weizen, Hafer und Roggen.

Gleichzeitig stehen diese vier Kronenstränge auch für die vier Begleiter in einem Erntejahr: Hofinung, Glaube, Sorge und Dank: Die Hoffnung, dass der Herrgott eine gute Ernte schenken möge, der Glaube des Bauern, dass seine Arbeit vom Schöpfer gesegnet sein möge, die Sorge, dass der Herrgott sich abwenden könnte durch Unwetter und ungünstige Witterung, der Dank für eine segensreiche Ernte. Nun sagen heutzutage nicht wenige: Naja, das ist doch alles veraltet und überholt, höchstens kulturgeschichtlich von Interesse.

Wir wissen inzwischen mehr als die Menschen früher über die Zusammenhänge von Biologie, Meteorologie und Umwelteinflüssen, die für Saat und Ernte ausschlaggebend sind. Und außerdem haben wir heute die Möglichkeit, gentechnisch sehr viel zu steuern, und wir können in Zukunft sicher noch mehr. – Nur: die Meinung, der Mensch sei der große „Macher”, ist falsch. Er stößt immer wieder an seine Grenzen, ja selbst die Tatsache, dass auf der Welt niemand mehr Hunger leiden müsste, vermag er nicht in die Tat umzusetzen, warum auch immer.

Die Erntekronen möchten uns daran erinnern: Alles, unsere Schaffenskraft, unsere Gesundheit und auch das tägliche Brot, das wir in unseren Breiten so sehr im Überfluss haben (lt. Statistik wirft jeder Bundesbürger im Jahr durchschnittlich 89 kg Lebensmittel gedankenlos weg), ist nicht unser Verdienst, sondern das Geschenk des Schöpfers und Vaters im Himmel.

Denken und Danken gehören zusammen. Deswegen wünsche ich Ihnen und auch mir ein sinnvolles Nachdenken über die Ernte und das tägliche Brot und einen von Herzen kommenden Dank dafür und für alles Gute in unserem Leben.

Ihr Pastor

Michael Henheik